METTA – Beobachtungen


Das Verfallsdatum unserer jetzigen Gesellschaft ist in Sicht. Wie lange können wir noch so weiter leben? In Hamburg allein gibt es 450.000 Singlehaushalte, ca. 85.000 Arbeitslose. Die Anzahl der Obdachlosen liegt nach Schätzungen der Behörde für Soziales und Familie bei 1200. Empirisch gesicherte Zahlen gibt es nicht. Die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer. Deutschland wird älter und zahlenmäßig schwächer werden. So ist es auch im Methusalem-Komplott von Frank Schirrmacher beschrieben (Blessing Verlag, ISBN 3896672258). Wovon sollen die Alten später leben, wenn die Kosten immer höher und das Einkommen/die Rente immer niedriger wird? Wie können Jung und Alt sinnvoll miteinander wirken?

Familie

Die Großfamilie, die einen gewissen Schutz bot, ist so gut wie ausgestorben. Alleinerziehende werden nicht ausreichend unterstützt. Es gibt nicht genug Betreuungsangebote für Kinder. Alte Menschen werden ins Heim abgeschoben.

Singlegesellschaft

Können wir stolz auf eine Singlegesellschaft sein? Ist es wirklich erstrebenswert, jederzeit die Türe hinter sich schließen zu können, um "seine Ruhe" zu haben? Viele Menschen vereinsamen und werden zu Einzelgängern. Trotz materiellen Reichtums nehmen Depressionen immer mehr zu.

Nachbarschaft

Es gibt sie noch, aber sehr selten. Meistens grüßen sich Nachbarn gerade einmal im Treppenhaus. Prof. Georg Schottmayer, Erziehungswissenschaftler und Nachbarschaftsexperte, stellt fest, dass Kontakte zwischen Menschen in Zeiten zunehmender Individualisierung besonders wichtig sind.

Suche nach Glück

Die Menschen suchen ihr Glück in übertriebener körperlicher Fitness, Wellness, Spielhallen, Discos und Alkohol. Unendlich viel Zeit wird mit TV-Zappen, Shopping usw. verbracht. Diese Äußerlichkeiten nehmen im Vergleich zu den inneren Werten einen viel zu hohen Stellenwert ein. Es gilt wieder ein gesundes Maß der Dinge zu finden.

Lebenshaltungskosten

Der Staat ist überfordert, der Bürger ist aufgefordert Eigenverantwortung zu übernehmen. Das ist zur Zeit nicht möglich, da die Grundversorgungskosten viel zu hoch sind. Ein Durchschnittsbürger verdient im Monat Netto ca. € 1.400. Die Majorität verdient nur ca. € 1.200 im Monat oder weniger. Die Mietspiegel in den Städten, mittlerweile aber auch auf dem Land, liegen sehr hoch. In Zeiten, in denen die Einkommen eher stagnieren oder sogar sinken, erhöhen sich Jahr für Jahr die Nebenkosten. Immer mehr Menschen sind auf preiswerte Wohnungen angewiesen.

Kostenbeispiel

Eine Person aus einem Singlehaushalt mit einem Nettoverdienst von € 1.400,-. Hier sind die Grundkosten wie Miete etc. sehr niedrig angesetzt. Die meisten Haushalte müssen allein an Miete und Nebenkosten ca. € 700 zahlen und das ist immer noch der niedrige Durchschnitt.


Monatliche Fixkosten
Miete für 55 m²:€ 440,-
Betriebskosten: € 70,-
Nebenkosten: € 75,-
Wasser€ 20,-
Telefon€ 35,-
HVV Monatskarte (Tarifzone 2)   € 49,-
Fernseh- u. Rundfunkgebühr€ 15,-
Haftpflicht€ 5,-
Hausratversicherung€ 10,-
Zusätzliche Altersvorsorge€ 150,-
Lebensmittel, Putzmittel€ 350,- (Einkauf bei Discountern)
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Es verbleiben€ 181,-

für andere notwendige Ausgaben wie z.B. Kleidung, Friseur, Reinigung, Arztrechnungen, Medikamente, Reperaturen usw.

Was völlig auf der Strecke bleibt: Zeit und Geld für z.B. einen Fortbildungskurs, Sport, kulturelle Veranstaltungen und Reisen. Auch Spenden sind meistens ausgeschlossen.

Es ist aufgrund dieser Rechnung leicht zu verstehen, wie es zu so einer hohen Verschuldung in Privathaushalten kommt. Die Menschen verschulden sich, um ihren Lebensstandard zu halten. Für Reisen, Autos und größere Anschaffungen werden Kredite aufgenommen.

Werte und Bildung

Der technische Fortschritt hat die Welt bis jetzt im zwischenmenschlichen Bereich nicht weiter gebracht, eher auseinanderdividiert. Einzelkämpfer und Neider sind produziert worden. Das Leistungsprinzip hat uns dazu gebracht, dass der Mensch über den Erfolg im Beruf definiert wird. Die Menschen sind verunsichert, haben Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Heiner Geißler spricht über Lohndumping und einseitigen Materialismus.

Was ist geblieben im Land der Dichter und Denker? Friedrich Schiller vertrat die These, dass der Mensch sich selbst zum Zweck der Bildung macht. An der Hamburger Uni wird aktuell die Streichung von 80 Prozent der geistes-, kultur- und sprachwissenschaftlichen Fächer diskutiert. Die ehemalige Herausgeberin der ZEIT, Marion Dönhoff warnte:

Die moralischen und geistigen Werte ... müssen weiter überliefert werden. Erst seit dem wissenschaftlich industriellen Zeitalter sind Leistung und Beherrschung der Technik an ihre Stelle getreten. Das Humane wurde verdrängt. Akkumulation von Reichtum und Konzentration von Macht, das sind die Ziele, die alles andere in den Schatten stellen.

Globalisierung und Information

Die Globalisierung wird sich erst dann positiv auswirken, wenn die Menschen den Blick für die notwendigen Veränderungen bei sich selbst und vor der eigenen Haustür schärfen. Wir wollen informiert sein, doch was machen wir mit der Information und was macht die Information mit uns? Wir stumpfen ab. Die grausamen Bilder und Meldungen aus der Welt berühren uns nicht mehr. Sie gehören zum Alltag.

Medizin

Ihre Entwicklung bringt uns eine immer höhere Lebenserwartung. Aber die Kosten sind schon jetzt für einige Menschen nicht mehr zu tragen, eine Klassengesellschaft entsteht. Der Körper kann dank hochentwickelter Technik am Leben erhalten werden, aber wo bleibt der Mensch in seiner Ganzheit? Zu wenig, meist schlecht honoriertes Personal erlaubt keine emotionale Zuwendung.

Umwelt

Wir erobern das Weltall und vergessen unseren Planeten Erde. Es ist dringend erforderlich weltweit über drastische ökologische Maßnahmen nicht nur zu diskutieren, sondern sie in die Tat umzusetzen. Wir erleben bereits jetzt die Folgen der Klimaveränderungen in den extremeren Wettersituationen.


Wir haben größere Häuser aber kleinere Familien,
bessere Möglichkeiten aber weniger Zeit.
Wir haben höhere Bildung doch weniger Verstand,
mehr Wissen aber weniger Weisheit,
mehr Information aber weniger Kommunikation,
mehr Medizin aber weniger Gesundheit.
Wir sind den ganzen Weg zum Mond geflogen,
haben aber Probleme die Strasse zu überqueren
um unseren neuen Nachbarn zu treffen.

S.H. der 14. Dalai Lama